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Veranstaltungen


Lehrbetriebe brauchen Schulabgänger, die lesen, schreiben und rechnen können

Vortrag und Diskussion

Di. 6.2.2018, Dietikon 

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Ja zur Initiative «Lehrplan vors Volk»

Vortrag von Dr. J. Barben

Do. 1.2.2018, Wettswil

Do. 8.2.2018, Affoltern

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Abstimmung über die Initiative «Lehrplan vors Volk» am 4. März 2018  Flyer dazu

Mit Digitalisierung aufs zwischenmenschliche Abstellgleis?

EDU Standpunkt Januar 2018

Staat, Kantone und Bildungsverantwortliche treiben die Digitalisierung voran. Dahin­ter steht die Angst, im Wettbewerb den Anschluss zu verpassen. Die Gefahr von mas­siven Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen wird ausgeblendet.

Ein Zwischenruf

Lisa Leisi

Es heisst: Um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben, müssten Grundschulkinder - ja sogar Kindergartenkinder! - dringend Programmieren lernen. Entsprechend sollen keine Ausgaben gescheut werden, um Schulen mit entsprechenden Geräten aufzurüs­ten. Auch die Lehrkräfte müssen nachgebildet werden. Als Berater fungieren der Entwicklung wohlgesinnte IT-Firmen und die Wirtschaft. Persönliche Daten aus Facebook, Google und Twitter - sowie Lernprogrammen! - für Big-Da­ta-Analysen werden nicht zufällig als «Gold des 21. Jahrhunderts» bezeichnet. Das Ziel: verwert­bare Aussagen über das Verhalten des Individu­ums. In der Schule von morgen wird das «sozia­le» Gegenüber ein von Algorithmen gesteuerter sprechender Bildschirm sein.

Fataler Fortschrittswahn

Noch wird Kritikern und Warnern wie (Medien-) Pädagogen, Neurobiologen und Kinderärzten kaum Gehör geschenkt. Die Neurobiologin Ger­traud Teuchert-Noodt ist überzeugt: «Erstmals in der Menschheitsgeschichte wird uns durch die Digitalisierung die für Denkprozesse absolut notwendige neuronale Grundlage streitig ge­macht.» Der US-amerikanische Psychologie­professor Larry Rosen fasst die zahlreichen Ne­benwirkungen übermässigen Medienkonsums - auch im Erwachsenenalter - unter dem Begriff «iDisorder» wie folgt zusammen: Zwangshand­lungen, wie das ständige Starren aufs Smart­phone, Angstzustände bei Abwesenheit digitaler Geräte, Enthemmung in der virtuellen Kommu­nikation, ausgeprägter Narzissmus in der Selbst­darstellung, Aufmerksamkeitsstörungen, beeinträchtigtes Durchhaltevermögen, Empat­hieverlust und Einsamkeit. Wollen wir diese Art «Fortschritt» wirklich?

Folgenschwere Beeinträchtigungen

Zwei brandaktuelle Studien (BMBF 2017, BLIKK-Studie 2017) zeigen auf, dass bei etwa der Hälfte der Grundschulkinder schulische Ent­wicklungsstörungen wie Lesen-, Rechtschreib- oder Rechenstörungen diagnostiziert werden. Miteinher gehen als Folge der frühen Nutzung digitaler Medien Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen, körperliche Hyperaktivi­tät, innere Unruhe bis hin zu aggressivem Ver­halten. Schon Säuglinge leiden unter Essens- und Einschlafstörungen, wenn sich die Eltern wäh­rend der Betreuung des Kindes mit digitalen Me­dien beschäftigen (ZDF Text, 29.5.2017). Aktuel­le Studien von AOK, DAK und Barmer sehen bei Kindern und Jugendlichen massive Anstiege von Burnout, Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzent­rationsstörungen im Zusammenhang mit der exzessiven Nutzung digitaler Medien.

Das Gehirn verkümmert

Die bereits erwähnte Neurobiologin Gertraud Teuchert-Noodt weiss aus der Hirnforschung, dass vielfältige Bewegungsaktivitäten in den Kinderjahren für die Reifung mentaler Funktio­nen unverzichtbar sind. Es müssen vielfältige reale Erfahrungen in Raum und Zeit im Gehirn verankert werden können. Ohne diese Stimulan­zien können sich Verschaltungen in den motori­schen und den nachgeschalteten Hirnregionen nicht normal ausbilden. Eine 20 Jahre dauernde Reifung und zunehmende Differenzierung der Nervennetze kann nicht verkürzt werden und findet auch insbesondere durch Schreiben, Rechnen und Lesen lernen statt. Bestimmen Computer und Tablets das Lernen, kommt es durch neuronale Überaktivierung zu einer Notreifung im Gehirn, die zeitlebens auch weit­sichtiges Denken, Planen und Handeln beein­trächtigt.

Nur durch aktive und wiederholte Kopfarbeit aufgenommene Lerninhalte schulen Wachheit, Neugierde, kreatives Denken und Bewusstsein. Und nur Wissen schafft Bewusstsein, und mehr Wissen erweitert das Bewusstsein. Erst ab der Adoleszenz kann eine Person zudem eine Sucht bewusst verhindern und sinnbezogen mit Me­dien umgehen.

Was ist zu tun?

Aufklärung der Politiker, Bildungsverantwort­lichen und Eltern ist dringend! Einer IT-Bil­dungsoffensive an den Grundschulen muss mit Vehemenz entgegengetreten werden. Kinder brauchen die volle Aufmerksamkeit und Zuwen­dung der Eltern für ein gesundes Aufwachsen. Damit verbunden sind Vorlesen, gemeinsame Spiele, der Austausch von Gedanken und Emp­findungen sowie vielfältige Aktivitäten und Er­fahrungen draussen in der Natur. Genauso braucht es an den Schulen eine Rückbesinnung auf Bewährtes, wenn Kinder weiterhin zu selbstbestimmten Persönlichkeiten mit kriti­scher Urteilsfähigkeit heranwachsen sollen, die gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich mitgestalten können. 

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