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Veranstaltungen


Lehrbetriebe brauchen Schulabgänger, die lesen, schreiben und rechnen können

Vortrag und Diskussion

Di. 6.2.2018, Dietikon 

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Ja zur Initiative «Lehrplan vors Volk»

Vortrag von Dr. J. Barben

Do. 1.2.2018, Wettswil

Do. 8.2.2018, Affoltern

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Abstimmung über die Initiative «Lehrplan vors Volk» am 4. März 2018  Flyer dazu

Zum Fach Deutsch: Leseverständnis und Umgang mit Sachtexten: Viel Aktionismus statt genaues inhaltliches Erfassen

Eine der wichtigsten Grundlagen für ein gutes Vorankommen in Lehrbetrieb und Berufsschule ist das Verstehen von Sachtexten. Die Lehrlinge müssen Fachbücher und Anleitungen, aber auch Abstimmungs- oder Versicherungsunterlagen lesen, inhaltlich genau erarbeiten und schliesslich wiedergeben können, worum es geht. Erst wenn der Inhalt eines Textes erfasst wird, kann «analysiert, diskutiert und reflektiert» werden.

Lesen, Grundfertigkeiten / Ziele im 3. Zyklus
«Die Schülerinnen und Schüler

Ohne ein gutes sprachliches Fundament ist eine dem Menschen entsprechende Bildung nicht möglich. 
Der LP21 legt diese Grundlagen nicht.

  • können einen geübten Text flüssig, mit angemessener Intonation und verständlich vorlesen. 
  • können Wörter und Wendungen in unterschiedlichen Texten verstehen, sie Sprachregistern zuordnen (z. B. Fachsprache) und so ihren rezeptiven Wortschatz differenzieren»

Typisch für die Ideologie des Lehrplan 21: Die Schüler werden dazu angehalten, einzelne Wörter herauszupicken und sie z. B. in einer Tabelle einzuordnen. Ob sie den Inhalt des ganzen Textes verstehen, bleibt offen.

Alleingelassen, versteht ein grosser Teil der Schüler die Texte nur teilweise, über Nichtverstandenes lesen sie hinweg, wenn ihnen niemand behilflich ist.

Und: Dass ein Schüler nach neun Schuljahren nur einen geübten Text flüssig lesen können soll, spricht nicht für den Lehrplan…

Tatsache ist, dass das Verstehen eines Textes nur über den Lehrer gesichert ist: Er erarbeitet mit seiner Klasse den Inhalt des Gelesenen, leitet sie an, Begriffe nachzuschlagen und vergewissert sich, dass sie den Inhalt verstanden haben.

Verstehen von Sachtexten / Ziele im 3. Zyklus

«Die Schülerinnen und Schüler

  • können unter Anleitung Informationen aus übersichtlichen Grafiken, Diagrammen und Tabellen entnehmen. 
  • können Sachtexte im Rahmen einer Recherche beschaffen (z. B. im Internet, in der Bibliothek) und die darin enthaltenen Informationen mithilfe von Leitfragen für weitere Arbeiten nutzen (z. B. Referat). 
  • können Informationen aus unterschiedlichen Sachtexten unter Anleitung verarbeiten (z. B. Stichwortliste, Mindmap, Zeitstrahl).» 

Dies die Grundanforderungen bis zum Ende des 9. Schuljahres – ein kümmerliches Häufchen: Nur «unter Anleitung*» und nur aus «übersichtlichen» Grafiken, Diagrammen und Tabellen müssen sie «Informationen» entnehmen können – was für Informationen? Wer hilft ihnen zu erkennen, welche Informationen für ein bestimmtes Thema wesentlich sind?

* (damit ist nicht etwa die Anleitung durch den Klassenlehrer gemeint, sondern z. B. ein paar Tipps mit Piktogrammen)

In einer sogenannt „kompetenzorientierten“ Schule wird viel Geschäftigkeit produziert, ohne irgendeine Gewähr, dass die Jugendlichen 

  • nach diesem ganzen Aktionismus etwas gelernt und verstanden haben oder 
  • ihren geistigen und menschlichen Horizont erweitert haben.

Viele Schulstunden werden damit verbracht, im Internet oder in der Schul-Mediothek nach Informationen zu suchen und diese zu «kreativen» Mindmaps und Ähnlichem zu verarbeiten – ohne Gewähr, dass die Schüler mit ihren schön dargestellten Ergebnissen inhaltlich etwas anfangen können.

In Lehrbetrieb und Berufsschule wirkt sich die Unfähigkeit vieler Lehrlinge, einen Sachtext oder eine Anleitung inhaltlich zu erfassen und sich bei Unklarheiten an die Erwachsenen zu wenden, fatal aus. Und wie die nächsten Generationen ohne ein sprachliches und staatskundliches Fundament ihren Platz als verantwortungsvolle Bürger einnehmen wollen und können, ist eine drängende Frage, die jeden einzelnen von uns angeht.

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